©Smart Living Center

Smart Living Center: „Ermündigung“ alternder Bürgerinnen und Bürger

Das Smart Living Center möchte ein würdevolles Altern in den eigenen vier Wänden ermöglichen. 

Die Frage nach einem würdevollen Leben im Alter bewegt immer mehr Berlinerinnen und Berliner mit all den Problemen, die in einer alternden Gesellschaft präsenter werden. Das Smart Living Center stellt ab dem Frühjahr 2020 technologische Lösungen vor, damit alternde Menschen trotz geistiger und körperlicher Einschränkungen bestmöglich unabhängig bleiben. 

Das Center ist aus einer Partnerschaft zwischen der BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin gGmbH, dem Verein deutscher Grundstücksnutzer und Smart Living am UKB Campus Berlin e.V. und befindet sich auf dem Gesundheitscampus des UKB im Bezirk Berlin-Marzahn, einem der am stärksten alternden Bezirke in der Hauptstadt. Die meisten dieser Menschen wünschen sich, solange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben. Diese Umstände führten zur Idee, einen Ort zu schaffen, wo ein altersgerechtes Wohnen gezeigt werden kann. 

„Ermündigungswohnung“ bietet Älteren Unabhängigkeit und Würde  

Den smarten Vorgänger des Centers bildet eine Musterwohnung in Marzahn, die bereits seit 2014 existiert, von der OTB GmbH betrieben und von Projektleiter Tiago da Silva „Ermündigungswohnung“ genannt wird. Hier können Besucher die verschiedensten smarten Komponenten ausprobieren, um festzustellen, welche für die individuelle Lebenssituation am besten geeignet ist. Die technischen Hilfsmittel werden in Wohn-, Schlaf- und Badezimmer sowie Flur und Küche eingesetzt. 

Hierzu gehören zum Beispiel ein Kleiderlift, der die Kleidung selbstständig oben im Schrank verstaut, oder einen Gardinenlift, der die Gardinen für die Reinigung nach unten und wieder nach oben fährt. Beleuchtete Fußleisten reagieren auf Bewegung und erleichtern nachts die Orientierung. Absenkbare Oberschränke und ein sich automatisch abschaltender Herd bauen Hürden und Risiken im Alltag in der Küche ab. Eine lernfähige Heizung passt sich den Gewohnheiten der Bewohner an und spart auf diese Weise auch noch Strom. Smarte Fenstergriffe im Bad senden ein Signal an einen Notdienst, wenn das Bad über einen längeren Zeitraum nicht vom Bewohner benutzt

Erster Schritt in eine altersgerechte Zukunft

Diese und noch viele weitere smarte Lösungen können ausgetestet und einzeln von den entsprechenden Herstellern erworben werden. Ehemalige Projektleiterin des Smart Living Centers und aktuelle Bezirksstadträtin für Wirtschaft, Straßen und Grünflächen Nadja Zivkovic, bestätigt den Erfolg des Projektes: „Wir sehen die „Ermündigungswohnung“ als Vorläufer des gesamten Smart Living Centers. Wir haben inzwischen meist um die 50 Besucher pro Woche. Es gibt einen regen Andrang und ganz unterschiedliche Zielgruppen, die sich hier umschauen: Zum einen Endverbraucher, also ältere Menschen Ende 60, die zwar merken, dass sie noch fit sind , die sich aber auch fragen, was sie in Zukunft machen können, um so lang wie möglich in ihrem Eigenheim oder ihrer Wohnung bleiben zu können. Zum anderen gibt es die Gruppe der Töchter und Söhne, die merken, dass es der Mutter oder dem Vater nicht mehr ganz so gut geht, und Unterstützung suchen: Die kommen meistens mit den Eltern zusammen. Weiterhin besuchen uns auch Handwerker, die für den späteren Einbau zuständig sind, und sich die Produkte erklären lassen. Es kommen aber auch viele Planer, Architekten und Pflegeschulen.“   

Gleichzeitig bietet die „Ermündigungswohnung“ auch ein Forum, um die Scheu älterer Menschen vor der Technologie abzubauen, wie Nadja Zivkovic unterstreicht: „Es ist immer eine gewisse Skepsis vorhanden bei Dingen, die man nicht kennt. Wer aber schon einmal so etwas in der Hand gehalten hat oder einen Hebelsitz probiert hat, für den ist es einfach unkomplizierter.“ Die „Ermündigungswohnung“ ist allerdings nur der Anfang eines umfangreicheren Projektes. Eine Anlaufstelle mit informierten und qualifizierten Mitarbeitern soll entstehen, an die sich die Menschen des Bezirks wenden können, um alle wichtigen Fragen rund um die Themen Gesundheit und Pflege besprechen zu können und um Unterstützung zu bitten, sich nicht unwürdig fühlen zu müssen.