Bild: Screenshot der "City in Motion Index 2018" Map, ©Business School IESE

Smart City Index 2018 – Wer kann Zukunft am besten?

Michael Bloomberg, der ehemalige Bürgermeister von New York, hat mal gesagt: „Wenn man das Leben von Milliarden von Menschen weltweit verbessern will, gibt es keinen besseren Weg, als Städten dabei zu helfen, noch besser zu funktionieren.“ Denn ein Großteil der Menschen lebt nun mal in Städten oder Metropolregionen.

Doch welche Städte schneiden überhaupt gut ab? Woran liegt das und was können andere von ihnen lernen? Antworten darauf liefert die in Barcelona ansässige Business School IESE (Instituto de Estudios Superiores de la Empresa). Seit fünf Jahren erstellt sie ein Ranking der smartesten Städte rund um den Globus – „Cities in Motion Index“ wird die Tabelle genannt, kurz „CIMI“.

Die Ergebnisse fußen auf den folgenden Kriterien: Humankapital, soziale Kohäsion, Wirtschaft, Staatsführung, Umwelt, Mobilität und Transport, Stadtentwicklung, internationale Reichweite und Technologie. Neu hinzugezogen in die Berechnungen wurde der mittlerweile international etablierte „Smart City Index“ (ISO 37120), der Faktoren wie Müllentsorgung, Abwassermanagement, Sanitäranlagen, Notfall-Versorgung sowie Erholungswert einer Stadt mit in den Blick nimmt. Außerdem hat die IESE für das diesjährige Ranking ihren Katalog um die – sicherlich diskussionswürdigen - Kriterien Anzahl an Apple-Stores, jährlicher Temperaturanstieg und Häufigkeit von terroristischen Anschlägen erweitert.

Wer ist die Smart City 2018?

Die diesjährigen Ergebnisse haben für einiges Erstaunen gesorgt, auch wenn ein Blick auf die Spitzenplätze wenig Überraschung bringt: New York, London, Paris und Tokio belegen die ersten vier Plätze. Seit Jahren liefern sich London und New York ein Rennen um Platz ein. Dass New York dieses Jahr als Sieger hervorgegangen ist, hat vor allem mit seinem hervorragenden Abschneiden in den Kategorien Stadtentwicklung, Wirtschaft, Mobilität und internationale Bedeutung zu tun. Die Themenfelder Umwelt und sozialer Zusammenhalt brachten dagegen eher Minus-Punkte.

Mit die größte Überraschung in den Top Ten ist Platz 5 für die isländische Hauptstadt Reykjavík, die gerade etwas mehr als 120.000 Einwohner zählt – was zeigt, dass eine Stadt keine Millionenstadt sein muss, um eine Smart City sein zu können. So waren dieses Jahr unter den Gewinnern gleich eine Reihe von eher kleinen bis mittelgroßen Städten wie zum Beispiel das neuseeländische, circa 190.000 Einwohner zählende Wellington auf Platz 18. Das hängt zum Teil damit zusammen, dass gerade die kleineren Städte beim Thema sozialer Zusammenhalt sehr viel besser abschneiden als ihre deutlich größeren Rivalinnen.

Dass Reykjavík derart gut dasteht, hängt vor allem mit den Bereichen Mobilität, Technologie/Digitalisierung, Umwelt und Staatsführung zusammen. So versorgt die Stadt ihre Bewohner mit einer der schnellsten und zuverlässigsten Internet-Verbindungen weltweit: Bis zu 500 MB pro Sekunde können übertragen werden. Zum Vergleich: Der Durchschnitt rund um den Globus liegt bei 3,5 MB pro Sekunde.

Außerdem gibt es in der isländischen Hauptstadt ein hervorragend ausgebautes Netzwerk an öffentlichen Transportmitteln, dass über ein einfach gestaltetes, benutzer- und touristenfreundliches Internet-Portal ganz leicht navigiert werden kann. Darüber hinaus verfügt Reykjavík über zahlreiche Carsharing-Initiativen. Elektro-Mobilität wird dort großgeschrieben. Kein Wunder: Island nennt sich schließlich das nachhaltigste Land der Erde – weil es seine Energie zu 100 % aus erneuerbaren Quellen (Wasserkraft und geothermische Energie) bezieht.

Äußerst innovativ arbeitet auch die Verwaltung von Reykjavík, die die Bürgerinnen und Bürger über ein Internet-Portal einlädt, sich aktiv an der Gestaltung des öffentlichen Lebens zu beteiligen – was 60 % der Bevölkerung bereits mindestens einmal getan haben. Über das Portal kann man Wünsche, Kritik und Ideen für neue Stadtentwicklungsprojekte einspeisen. Die Stadtverwaltung berät über die beliebtesten Ideen und setzt diese dann auch um. Knapp zwei Millionen Euro wurden bereits ausgegeben, um 200 Projekte zu realisieren. Estland hat die Idee so gut gefallen, dass die dortige Regierung ein ähnliches System eingeführt hat.

Berlin führt die deutsche Rangliste an.

Berlin hat die Top Ten ganz knapp verpasst und ist dieses Jahr auf dem elften Platz gelandet. Auffallend gut schneidet die Stadt in den Kategorien Mobilität und Transport (Platz 6), Internationalität (Platz 4) und sozialer Zusammenhalt (Platz 3) ab. Nach wie vor führt Berlin die Rangliste der deutschen Städte an. Dieses Jahr belegt Hamburg Platz 31, München Platz 37 und Frankfurt Platz 42. München ist aufgrund der Ergebnisse in den Bereichen Umwelt, Technologie und internationale Reichweite im Vergleich zum Vorjahr niedriger bewertet worden als noch 2017.

Europa steht im internationalen Vergleich insgesamt sehr gut da. Es verfügt über den höchsten Anteil an Smart Cities, die im Ranking weit oben liegen. In Afrika stechen einige Städte we Tunis, Kairo, Johannesburg und Lagos besonders hervor. Allerdings sind die erreichten Werte in den Kategorien Umwelt und Wirtschaft deutlich schlechter. Die Autoren der Studie geben eine mögliche Erklärung: Sie legen nahe, dass die Wirtschaft mittel- bis langfristig nicht gut wachsen könne, wenn Nachhaltigkeit in Boom-Zeiten vernachlässigt werde.

Über das Ergebnis des diesjährigen Rankings dürfte sich eine asiatische Stadt mit am meisten gefreut haben: Hong Kong konnte sich im Laufe eines Jahres von Platz 42 auf Platz 9 verbessern. Einer der Gründe: 700 Millionen Dollar will die Regierung in Kürze in Infrastruktur-Projekte investieren, unter anderem, um die elektronische Staatsführung zu verbessern, um alle Bürger mit elektronischen Identifikationsmarken (zur Verbesserung des Datenschutzes) auszustatten und um die Straßenbeleuchtung an belebten öffentlichen Plätzen smarter zu machen.

Wir finden: Das Ergebnis von Berlin ist durchaus respektabel und gibt Ansporn, dass es die deutsche Hauptstadt 2019 wieder in die Top Ten schafft!

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