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Klimaschutz – Berlin ist auf dem richtigen Weg

Deutschland kann bis 2050 klimaneutral werden – so das Ergebnis der aktuellen Agora-Klimastudie. Berlin hat sich dieses ehrgeizige Ziel bereits selbst gesteckt – und nimmt als Smart City damit eine Vorreiterrolle ein. Spezifische Handlungsempfehlungen sollen jetzt zusätzlich aus der Wissenschaft kommen. Der neu gegründete Forschungsverbund „Ecornet Berlin“ will den Berliner Senat dabei unterstützen, den Wandel zur klimaneutralen Stadt sozial und ökologisch zu gestalten – mithilfe von Praxis und Öffentlichkeit.

Dürreperioden, extreme Wetterereignisse, steigende Durchschnittstemperaturen. Auch in Deutschland sind die Auswirkungen des Klimawandels inzwischen deutlich zu spüren. Mit dem Klimaziel 2030 haben sich die EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, ihre Treibhausemissionen in den kommenden zehn Jahren um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Doch die Zeit drängt. Im derzeit in der Europäischen Union verhandelten European Green Deal geht es unter anderem darum, die Klimapolitik in Europa zu beschleunigen und den Zielwert auf -55 bis -60 Prozent zu erhöhen. 

Deutschland könnte sogar noch weitergehen – und bis 2050 klimaneutral werden. Zu diesem Ergebnis kommt die im Oktober veröffentlichte Studie „Klimaneutrales Deutschland“, die von der Prognos AG, dem Öko-Institut und dem Wuppertal Institut im Auftrag der Thinktanks Agora Energiewende, Agora Verkehrswende und der Stiftung Klimaneutralität erstellt wurde. 

Die Studie geht von drei Entwicklungsstufen aus:

  • Schritt 1: Die bundesdeutschen CO2-Emissionen sinken bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990. 
  • Schritt 2: Vollständiger Umstieg auf klimaneutrale Technologien. Die Emissionen ließen sich dadurch um 95 Prozent senken.
  • Schritt 3: Nicht vermeidbare Restemissionen werden durch CO2-Abscheidungen und -Lagerung ausgeglichen. 

Voraussetzung für die Umsetzung dieses Szenarios ist laut der Studie ein umfassendes Investitionsprogramm. Es soll den Ausbau der Erneuerbaren Energien vorantreiben, die weitgehende Elektrifizierung von Verkehr, Wärme und Industrie umfassen, eine smarte und effiziente Modernisierung des Gebäudebestands beinhalten und den Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur für die Industrie anstoßen.

Wesentlicher Bestandteil einer beschleunigten Klimapolitik sei außerdem der forcierte Bau von Wind- und Solaranlagen. Dieser müsse sich gegenüber heute verdreifachen. Ein drastischer Weg, aber gangbar: Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende, vergleicht den Weg in die Klimaneutralität denn auch mit einer anderen, für Deutschland wichtigen Phase des Wandels: dem Wirtschaftswunder der 1950er/60er-Jahre. 

Was bedeutet die Klima-Studie für die Smart City Berlin?

„Die Studie macht erst einmal grundsätzlich Mut, zeigt sie doch, dass Deutschland bis 2050 das Klimaneutralitätsziel erreichen kann. Auch die vorgeschlagenen Strategien und Maßnahmen sind – im Gegensatz zu anderen Studien – durchaus im Bereich des Erreichbaren“, sagt Beate Züchner, Leiterin des Referats Klimaschutz und Klimaanpassung bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. „Sie zeigt aber auch, dass Berlin mit seinen ambitionierten Klimazielen und Strategien bereits auf dem richtigen Weg ist.“ 

2016 trat in der Hauptstadt das Berliner Energiewendegesetz in Kraft, das Klimaneutralität als Zielsetzung verbindlich festlegt. Bis 2050 will die Stadt klimaneutral werden und die Kohlendioxidemissionen sollen sich um mindestens 85 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. Bis 2030 werden 60 Prozent angestrebt. Ein ehrgeiziges Ziel, denn derzeit liegt der Wert bei rund 40 Prozent. Der „Fahrplan“ und damit das zentrale Instrument der Berliner Energie- und Klimaschutzpolitik, ist das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm 2030 (BEK). Es umfasst rund 100 Maßnahmen, die vor allem auf drei Eckpfeilern fußen: Energieeinsparung, Energieeffizienz und Nutzung Erneuerbarer Energien. Denn bei der Klimapolitik geht es nicht nur darum, Treibhausgasemissionen künftig zu vermeiden; ein weiterer zentraler Aspekt des Klimaschutzes ist die Anpassung der Maßnahmen an die Folgen des Klimawandels. 

Eile ist in der Klimapolitik geboten. Denn das Klima erwärmt sich weltweit – und die Ressourcen schwinden. Im Dezember 2019 rief Berlin daher als erstes Bundesland den Klimanotstand (Climate Emergency) aus. Die Hauptstadt schloss sich damit anderen Städten rund um den Globus an, die den dramatischen Risiken des globalen Klimawandels entschlossen begegnen. Die fortschreitende Erderhitzung mache dringendes Handeln und zusätzliche Anstrengungen zugunsten des Klimaschutzes erforderlich – so der Senatsbeschluss.

Städte sind wichtige Treiber der Klimapolitik 

Städte wie Berlin sind somit nicht nur Hauptverursacher der globalen Erderwärmung, sondern auch wichtige Treiber der Klimaschutzpolitik. Die Smart City Berlin nimmt hier eine Vorreiterrolle ein – wie Beate Züchner bestätigt: „Berlin wird bereits vor 2030 den Kohleausstieg vollzogen haben. Und auch im Bereich der Mobilität hat die Stadt bereits mit umfangreichen und grundlegenden Maßnahmen die richtigen Weichen gestellt, damit auch der Verkehrsbereich nachhaltiger und klimafreundlicher werden kann.“

Eine große Herausforderung liege allerdings weiterhin im Gebäudebereich, ergänzt sie. „Hier werden wir ambitionierte energetische Standards für den öffentlichen Gebäudebestand im Rahmen der Novelle des Energiewendegesetzes Berlin setzen und mit einem Mix aus Beratung, Förderung und alternativen Ansätzen den Energieverbrauch im privaten Gebäudebereich reduzieren und die Energieeffizienz verbessern.“ Erste Schritte zur Dekarbonisierung der Wärme wurden bereits eingeleitet –für Beate Züchner ein Schlüsselfaktor zur Erreichung der Klimaziele. 

Ein weiterer Schritt auf dem Weg Berlins zum selbstgesteckten Klimaziel 2050: Um das eigene Handeln transparenter zu machen und gleichzeitig die Anstrengungen der Stadt für den Klimaschutz zu stärken, beschloss der Berliner Senat Ende Oktober einen „Klimacheck“ für Senatsvorlagen. Der Beschluss über ein Klimaschutzpaket, das unter anderem ein Verbot für Benzin- und Dieselfahrzeuge in der Innenstadt ab 2030 und den verpflichtenden Einbau von Solarenergieanlagen auf Berliner Dächern vorsieht, wurde allerdings bislang verschoben.   

Spezifische Handlungsempfehlungen aus der Forschung

Ecornet Berlin heißt der vom Senat geförderte Verbund aus fünf unabhängigen, gemeinnützigen Forschungsinstituten, der ebenfalls Ende Oktober ins Leben gerufen wurde, um in verschiedenen Forschungsprojekten und in enger Zusammenarbeit mit relevanten Akteur*innen der Stadtgesellschaft konkrete Handlungsempfehlungen für den sozialen und ökologischen Wandel Berlins zur klimaneutralen Stadt zu erarbeiten. Und das „transdisziplinär“, das heißt hier vor allem auch: praxisorientiert. Titel des institutsübergreifenden Forschungsvorhabens, an dem das Ecologic Institut, das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), das IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, das Öko-Institut (Berlin) und das Unabhängige Institut für Umweltfragen (UfU) beteiligt sind: „Wissen. Wandel. Berlin“.

„Um den dynamischen Wandel der Großstadt an der Schnittstelle von Natur und Gesellschaft politisch gestalten zu können, braucht Berlin spezifisches Wissen“, erläutert Thomas Korbun, Sprecher des Verbunds und Wissenschaftlicher Geschäftsführer des IÖW. „Gemeinsam mit der Stadtgesellschaft beforschen wir Felder mit herausragender Bedeutung für die nachhaltige Entwicklung in Berlin und entwickeln Lösungsansätze; zum Beispiel für eine sozialverträgliche und ökologische Wärmewende. Oder für die sinnvolle Nutzung und Regulierung von Daten, die der nachhaltigen Entwicklung Berlins zugutekommt – und natürlich auch die Smart City Berlin betrifft.“ Bei der Wahl seiner Forschungsthemen berücksichtigt Ecornet Berlin die schon bestehenden Strategien und Prioritäten des Berliner Senats, wie das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm 2030. „Wir gehen aber auch darüber hinaus und versuchen gemeinsam mit der Praxis Impulse zu setzen.“

Erste substanzielle Forschungsergebnisse hofft Korbun bereits in den kommenden Monaten vorlegen zu können. Auch der Austausch mit anderen Städten sei angedacht. „Wir haben eine ganze Reihe von Veranstaltungen im nächsten Jahr geplant, bei denen wir immer wieder auch den Dialog mit anderen Städten suchen und Erfahrungen reflektieren wollen. Sowohl innerhalb Deutschlands, als auch mit anderen europäischen Metropolen.“ Auf Projektebene finde ebenfalls fachlicher Austausch statt.

Beate Züchner bestätigt, wie wichtig Erfahrungsaustausch ist, um die Themen Klimaschutz und Klimawandel fest in der Gesellschaft zu verankern und die gesteckten Klimaziele zu erreichen: „Es bedarf dafür einer Vielzahl von Instrumenten. Diese reichen von umfassenden und zielgerichteten Investitionsprogrammen über Vernetzung und Erfahrungsaustausch bis hin zu Anreizen, den persönlichen Lebensstil klimafreundlicher zu gestalten – gerade im Bereich der Mobilität, des Konsums und der Ernährung.“  (vdo)

Mehr Informationen

„Klimaneutrales Deutschland bis 2050“ – 5 Online-Veranstaltungen

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