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Freie Radbahn

Einfach darauf losfahren, ohne sich zu viele Gedanken um den Verkehr machen zu müssen – das wünscht sich so mancher Radfahrer in Berlin – doch die Realität sieht anders aus. Berlin ist, wie so einige europäische Städte, in den Stadt- und Verkehrsstrukturen nicht vorrangig für Radfahrer ausgelegt.

Das Projekt Radbahn möchte das ändern. Die Vision: Ein Radweg unter der U-Bahnlinie U1, der sich über mehrere Kilometer erstreckt. „Den überwiegend leeren Raum unter der Bahn wollen wir in einen neun Kilometer langen, überdachten und sicheren Radweg verwandeln“, sagt Matthias Heskamp, Vorsitzender des Vereins Paper Planes, der die Idee der Radbahn hervorgebracht hat.

Vor rund einem Jahr machten sie Ernst und legten einen detaillierten Plan für die neun Kilometer lange Strecke  von der Oberbaumbrücke bis zum Bahnhof Zoo vor. Die Baukosten für die gesamte Länge der Radbahn betragen nach Berechnungen der Initiatoren rund 27 Millionen Euro. Dem gegenüber stehen jedoch eine erhöhte Lebensqualität der Berlinerinnen und Berliner sowie positive Einflüsse auf den Berliner Tourismus, was nicht in Euro aufgerechnet werden kann.

Verkehrsader von Ost nach West

Es geht aber nicht nur um eine sichere und tolle Fahrradtour, sondern um einen wirtschaftlichen Impact: Zum Beispiel könnten Geschäfte, die entlang der Strecke sind, Umsätze generieren. In den Studien der Initiatoren gibt es auch Pläne, dass an der Bahn selbst Cafés oder Shops ihre Waren anbieten. Denkbar ist sogar ein Steg an der Möckernbrücke entstehen, der zum Flanieren einlädt. Matthias Heskamp bringt die Vision auf den Punkt: „Es geht nicht nur um einen vor Regen geschützten Radweg, sondern eine wiedergeborene städtische Ader von West nach Ost, ein Testfeld für zeitgemäße Mobilität und innerstädtische Innovation.“

Stadt zeigt sich offen

Die Stadt Berlin sei offen für die Idee, heißt es von der Verwaltung – auch wenn Aspekte wie die Kosten und die bauliche Umsetzung noch nicht geklärt sind. Ein erstes Zeichen ihres Interesses hat die Stadt jedoch vor einigen Wochen bekundet: Für ein Teilstück des Projektes Radbahn unter der U-Bahnlinie in Kreuzberg wird eine Machbarkeitsstudie durch die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in Auftrag gegeben. Untersucht wird dabei ein Teilstück der Radbahn zwischen Kottbusser Tor im Westen und dem Schlesischen Tor im Osten. „Dieser Entscheid ist der nächste wichtige Schritt, um das Projekt voranzubringen“, sagt Heskamp. Parallel dazu soll im Rahmen des „Reallabors Radbahn" ein Testfeld entstehen, auf dem die innovativen Ansätze auf einigen Hundert Metern vorab getestet und evaluiert werden können.

Auch Burkhard Kieker Chef der Standortförderung Visit Berlin sagt: „Mir würde es großen Spaß machen, mit dem Rad diese Bahn zu befahren. Deshalb sollten wir die Idee auf jeden Fall genau prüfen.“

Innovations-Korridor für Berlin

Das Projekt Radbahn möchte aber auch Startups in Berlin einladen, ihre Ideen einzubringen. Man wolle ein ganzheitlich durchdachtes Konzept für einen Beitrag zur Smart City Berlin erschaffen, heißt es.

Es könnten Solarkollektoren an der Strecke angebracht werden, die Fahrerinnen und Fahrer digital vernetzen. Oder es könnte eine intelligent gesteuerte Beleuchtung entstehen. Die Strecke könnte sogar als temporärer Veranstaltungsort genutzt werden.

„Letztendlich geht es darum, Mobilität neu zu definieren und mit der Stadt zu verbinden“, sagt Heskamp. „Es soll Firmen dazu bringen, sich vermehrt für den Radverkehr zu interessieren und diese Menschen als Zielgruppe mit einem einzigartigen Lebensgefühl wahrzunehmen.“

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