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Digitalpakt eröffnet Berliner Schulen neue Chancen

Das Schulsystem bietet reichlich Potenzial in Sachen Digitalisierung – sowohl bei Ausstattung als auch bei Lerninhalten. Doch was macht eine digitale Schule aus und wo stehen wir heute? 

Digitalisierung wird zunehmend auch im Schulalltag ein Thema, das hat die Politik längst erkannt. Im Februar beschloss der Bundestag die entsprechende Grundsatzänderung und brachte einen Digitalpakt in Höhe von fünf Milliarden Euro auf den Weg, damit die Schulen mit digitalen Lernmitteln wie WLAN und Tablets ausgestattet werden können. Berlin bekomme innerhalb von fünf Jahren 260 Millionen Euro für die Digitalisierung der Schulen, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) im Februar in einer Pressemitteilung. Das sind 52 Millionen Euro jährlich. Zudem wird Berlin rund 26 Millionen Euro eigene Mittel in den kommenden fünf Jahren für die Digitalisierung in Schulen einsetzen, so Sandra Scheeres weiter.

Genutzt werden können die Mittel zum Beispiel für Anzeigegeräte wie Whiteboards, für Personalkosten, für Systemadministratoren und für Endgeräte. Knapp eine von den fünf Milliarden sollen auch in Laptops, Notebooks und Tablets fließen – jede einzelne Schule soll dafür bis zu 25.000 Euro bekommen können.

Doch das ist erst der Anfang: Denn das Ziel muss sein, Schulen flächendeckend zu Smart Schools umzubauen. Das fordert auch Michael Lange, Bildungsreferent beim Landesfachverband Medienbildung Brandenburg: „Nur Technik in die Schulen zu bringen, wäre ein Fehler, der schon oft in der Vergangenheit gemacht wurde. In einer Gesamtstrategie aus Technikanschaffung, Fortbildungen, Beratungen und Vernetzung könnte der Digitalpakt allerdings ein Aufbruchsignal geben“, so Lange. Darüber hinaus müsse weiterhin am Aufbau der Breitbandinfrastruktur gearbeitet werden: „Mindestens 250-Gigabyte- für kleine Schulen und ein Terrabyte-Leitungen für große Schulen.“ 

John-Lennon-Gymnasium ist eine „Smart School“ 

Der Branchenverband Bitkom unterstützt den Digitalpakt für Schulen und will ein breites Netzwerk an Smart Schools in Deutschland aufbauen. Denn internationale Vergleichsstudien attestieren Deutschland seit Jahren Nachholbedarf. Ein Positivbeispiel sei das John-Lennon-Gymnasium in Berlin-Mitte, so der Branchenverband, der die Schule im letzten Jahr als „Smart School“ auszeichnete. Die Schule würde die drei Säulen des Smart-School-Konzepts -  digitale Infrastruktur, Lehrerfortbildungen und pädagogische Konzepte -  auf herausragende Weise miteinander verbinden, hieß es in der Begründung. 

Das John-Lennon-Gymnasium im Bezirk Berlin-Mitte zeige, wie eine Smart School aussieht. Dabei konzentriere sich das Gymnasium auf vier Aspekte: auf die Schulwebsite, auf ihre Verwaltungsplattform „WebUnits“, auf der Schüler zum Beispiel den Vertretungsplan online einsehen können, ein digitales Lehrerzimmer, in dem Lehrer auf Lehrbücher zugreifen können, sowie die Lernplattform „itslearning“. Mit Hilfe von „itslearning“ können sich Projektgruppen, Fachbereiche und Gremien vernetzen und organisieren.

Wichtig sei auch die Einbindung der Eltern sowie die Fortbildungen der Lehrerinnen und Lehrer, denn Medienbildung ist eine ganzheitliche Aufgabe der verschiedenen Sozialinstanzen, betont Michael Lange. „Medienbildung ist immer noch nicht verbindlicher Bestandteil der Ausbildung zum Lehramt. Hier müssen die Hochschulen entsprechende Angebote machen.“ 

Calliope mini und Roboot Academy: Technischer Unterricht schon für die Kleinsten

Der Calliope mini der gemeinnützigen Calliope GmbH in Berlin soll als Minicomputer Lernenden so früh wie möglich einen spielerischen Zugang zur digitalen Welt ermöglichen. Der Calliope mini ist ein Mikrocontroller, der dank einfacher Blockprogrammierung schon von Grundschulkindern für viele verschiedene, aktive Lernprojekte genutzt werden kann. Mit ihm können die Kinder problemlos an die kreativen Möglichkeiten des Programmierens herangeführt werden. „Mit dem Calliope mini wird die digitale Welt in die Lebenswelt der Kinder geholt“, erläutert Geschäftsführer Jörg Alraun.

Neben dem Hardware-Produkt, stehen auch die Fortbildung von Lehrkräften und die Sammlung von didaktischem Open-Education-Ressource-Material im Fokus des Unternehmens. Erstmals wurde der Calliope mini 2016 auf dem nationalen IT-Gipfel in Saarbrücken vorgestellt. 

Ziel des Projektes sei es, die digitale Mündigkeit in den Schulen zu vermitteln: „Technik soll nicht nur beherrscht werden, vielmehr möchten wir Ängste vor dem Umgang mit ihr abbauen und ermutigen, sich zwar kritisch, aber auch kreativ digitaler Tools zu bedienen. Der Calliope mini zeigt, dass ein Computer keine Black Box sein muss. Stattdessen können wir aktiv unsere Lebenswelt auch mit Computern gestalten und werden so vom Konsumenten zum Produzenten.“

Auch die Roobot Acdemy zeigt, wie man Kindern und Jugendlichen den Umgang mit Computern und das Programmieren spielerisch nahebringen kann. Gegründet wurde der Roboterverein Roobot e.V. vor vier Jahren von Oliver Reinsch, Personalberater und Gründer der jobEconomy. Der Verein bietet Ferienkurse und Schul-AGs an, in denen Roboterwissen kindgerecht vermittelt wird. Dafür wird Thymio genutzt, ein kleiner Roboter, der es erlaubt, die Welt der Robotik kinderleicht zu entdecken und die Sprache der Roboter zu lernen. In der Berliner Grundschule an der Bäke in Berlin Steglitz werden seit zwei Jahren mit großem Erfolg Roboterkurse für Kinder ab der 4. Klasse angeboten. 

Medienkompetenz als wichtiger Bestandteil an Schulen 

Die Digitalisierung bietet ein großes Potenzial für ein besseres Schulsystem, da sind sich Experten einig. Digitale Geräte wie interaktive Tafeln, Tablets und Laptops können gewinnbringend für einen spannenden Unterricht genutzt werden. Investitionen müssen getätigt werden – der erste Schritt ist mit dem Digitalpakt getan. Allerdings sei es auch Aufgabe der Schulen, den Kindern und Jugendlichen mehr Medienkompetenz zu vermitteln, so Lange. 

MINT-Fachkräfte an Schulen fördern

Ebenso wichtig ist die Förderung der naturwissenschaftlichen Fächer, um dem Fachkräftemangel in wissenschaftlichen und technischen Berufen langfristig zu begegnen. , Schülerinnen und Schüler sollten schon früh in den sogenannten MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik qualifiziert werden bzw. sollte ihr Interesse für diese Technik-Fächer geweckt werden. Absolventen in Technik-Fächern sind gefragt wie nie und die Berufsaussichten vielfältig. 

Das 2008 gegründete bundesweite Netzwerk „MINT Zukunft schaffen“ setzt sich dafür ein, MINT-Ausbildungsberufe und MINT-Studiengänge zu fördern. . Denn die Kenntnis mathematisch-naturwissenschaftlicher Zusammenhänge sei Voraussetzung für einen verantwortlichen Diskurs zu wissenschaftlich-technischen Entwicklungen der Gegenwart und der Zukunft. 

Die Initiative steht unter der der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Auch in diesem Jahr hat die Bewerbungsphase für „MINT-freundliche Schulen“ oder „digitale Schulen“ bereits begonnen. Noch bis zum 31. Mai 2019 können sich alle Schularten bewerben. 

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