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“Block 6“ in Kreuzberg zeigt, dass recyceln nicht jetzt erst zum Trend wird

Kreuzberg ist Szenekiez und Vorreiter, wenn es um Zeitströmungen geht. Doch nicht erst seit gestern gilt Kreuzberg als Vorzeige-Bezirk auch in technologischer Hinsicht. Mit dem Projekt Block 6“ hat Kreuzberg bereits 1987 einen Trend gesetzt. „Block 6“ ist ein Gebäudekomplex, der in der Dessauer Straße südöstlich des Potsdamer Platzes liegt und aus einem Altbau und einem Wohnkomplex besteht, der bereits in den 60er Jahren erbaut wurde. Hinzu kamen später – im Rahmen der Internationalen Bauausstellung -  106 Wohnungen in sechs Neubauten. Eine 900 Quadratmeter umfassende Grauwasserpflanzenkläranlage inklusive Schönungs- und Badeteich im Innenhof stellte damals eine Besonderheit und ein baulich-technisches Experiment für die Stadt Berlin dar, Abwasser ohne chemische Hilfsmittel im Freiraum zu klären und innerhalb des Gebäudes wiederzuverwenden.

Eine gebäudeinterne getrennte Ableitung von Grau- und Schwarzwasser ermöglicht eine Wiederaufbereitung von verschiedenen Abwasserqualitäten und deren spätere Nutzung als Betriebswasser. Bis zu 10.000 Liter Trinkwasser aus der Leitung konnten durch diese Art der Aufbereitung eingespart werden. Das phosphor- und stickstoffführende Schwarzwasser aus Fäzes und Urin wurde damals direkt als Abwasser in die Kanalisation geleitet.

Neuauflage einer vielversprechenden Verfahrensweise der Wasserwiederaufbereitung

Aus wirtschaftlichen Gründen wurde die Grauwasseraufbereitung im Jahre 2006 technisch neu konzipiert und weiterentwickelt. Ein Betriebswasserhaus im Innenhof sorgt mittels eines mechanisch-biologischen Prozesses heute dafür, dass das wiederaufbereitete Grauwasser zu Betriebswasser mit Badewasserqualität aufbereitet werden kann. Die ehemalige Pflanzenkläranlage verdunstet heute klimawirksam das Regenwasser der umliegenden Dachflächen. Mit dem Start des Forschungsprojektes ROOF WATER-FARM erfolgte eine inhaltliche Weiterentwicklung des Standortes. Im Jahr 2013 installierte ROOF WATER-FARM auf der Rückseite des Betriebswasserhauses ein Gewächshaus zur wasserbasierten Fisch- und Pflanzenzucht (Aqua- und Hydroponik). Hier werden technische Möglichkeiten und die hygienische Sicherheit des Einsatzes von Betriebswasser in der Nahrungsmittelproduktion bzw. in der Urbanen Landwirtschaft erforscht. Nicht nur das aus der Grauwasseraufbereitung kommende, hygienisch sichere Betriebswasser wird in der Fisch- und Pflanzenproduktion eingesetzt. Auch das bisher abfließende Schwarzwasser, mit den darin enthaltenen Nährstoffen Stickstoff und Phosphor, wird hier erstmals zu Flüssigdünger für die Urbane Landwirtschaft aufbereitet. Die Qualität von Betriebswasser, Flüssigdünger, produziertem Gemüse und Fisch wird durch ein Monitoringprogramm überprüft und somit einer umfangreichen hygienischen Kontrolle unterzogen. Dazu gehört natürlich auch die Kontrolle auf den Verbleib von Mikroschadstoffen.

ROOF WATER-FARM hat Wiederaufbereitung von städtischem Abwasser und dessen Nutzung als Ressource für Urbane Landwirtschaft  zum Ziel. Insbesondere  in dicht besiedelten Stadtgebieten und auf den Dächern Berlins könnte Nahrungsmittelproduktion stattfinden. Der Forschungsverbund hat dazu umfassende, prototypische Studien veröffentlicht.Der sogenannte „Block 6" hat eine Geschichte als innovativer Standort für dezentrales, innerstädtisches  Wassermanagement. Die Weiterentwicklung des Standortes durch die ROOF WATER-FARM kann für andere Projekte inspirierend sein.

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