© Berliner Stadtwerke

Berlins Potenzial liegt auf den Dächern

2.400 Hektar, so viel wie rund 3.600 Fußballfelder: Das Potenzial für Photovoltaik-Anlagen auf den Berliner Dächern ist beeindruckend. Genutzt wird nicht einmal ein Prozent. Noch. Denn sowohl Initiativen der Stadt wie auch solare Pionierprojekte versprechen Berlin eine wahrlich sonnige Zukunft.

51 Haushalte oder eine Feuerwehr-Leitstelle

Im Bereich der Energieversorgung ist dieses Versprechen bereits Realität geworden. Auf dem Dach der Leitstelle der Berliner Feuerwehr in Charlottenburg befindet sich seit Anfang 2017 eine 850 m²große Photovoltaik-Anlage. Rund 87.000 Kilowattstunden sauberer Strom kann damit pro Jahr erzeugt werden. Das entspricht dem Verbrauch von 51 Durchschnittshaushalten. „99,9 Prozent des Solarstroms von unserem Dach nutzen wir hier selbst“, erklärt Per Kleist, Branddirektor der Berliner Feuerwehr in einer Mitteilung, „unsere Fahrzeuge sind mit vielen elektrischen Geräten ausgestattet, deren Einsatz jederzeit sichergestellt sein muss. Zwischen den Einsätzen koppeln wir die Wagen deshalb ans Stromnetz, das jetzt mit Sonnenenergie versorgt wird.“ Der Einsatz zahlt sich aus – vor allem für die Umwelt: Durch die Produktion des eigenen Ökostroms, der das bisherige Blockheizkraftwerk im Keller der Leitstelle ersetzt, werden rund 50 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart.

Das, was auf dem Dach der Berliner Feuerwehr passiert, ist kein Einzelfall. 40.000 m²Photovoltaik-Anlagen haben die Berliner Stadtwerke GmbH seit 2016 auf Dächern und Fassadenflächen landeseigener Immobilien wie der Feuerwehr-Charlottenburg installiert. Mit diesen 28 Anlagen können fünf Millionen Kilowattstunden sauberer Strom erzeugt und 2.300 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Es soll noch mehr werden. Die Anlagen sind nämlich Teil eines europaweit ausgeschriebenen Portfolios der BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH. Die Berliner Stadtwerke sollen Anlagen mit einer Gesamtleistung von 4.7 Megawatt errichten. Das entspricht in etwa der Gesamtleistungen aller 2015 in Berlin errichteten Photovoltaik-Anlagen zusammen. „Ein gutes Beispiel für die Kooperation landeseigener Unternehmen für den Berliner Klimaschutz: Die Stadtwerke finanzieren und bauen, wir pachten und entlasten so, durch den selbst erzeugten und verbrauchten Solarstrom, kostengünstig die Stromnetze“, erklärt Hans-Joachim Schlüter, Bereichsleiter Property Management der BIM, das Prinzip, „damit werden nicht nur die Klimaschutzziele der BIM erfüllt, sondern ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt Berlin 2050 gesetzt.“

 

 

Öffentliche Hand setzt auf Sonnenkraft

Dass die Solarenergie zum Erreichen dieses ambitionierten Ziels einen wesentlichen Beitrag leistet, ist unumstritten. So sprechen für die erneuerbare Energie unter anderem die deutlichen Kostensenkungen bei Modulen und perspektivisch auch bei Speichern, insbesondere in Relation zum Haushaltsstrompreis bei der Eigenversorgung. Darüber hinaus liefert das urbane Verteilnetz in Berlin eine gute Aufnahmekapazität für Solarstrom. „Ziel ist es, möglichst viele Dächer der öffentlichen Hand für Solarenergieanlagen zu nutzen“, lautet die Schlussfolgerung im Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm 2030 (BEK). Dazu zählen nicht nur die landeseigenen Immobilien, auch die Bezirke ziehen nach. So errichteten die Berliner Stadtwerke etwa auf sieben Dächern vor allem von Lichtenberger Schulen PV-Anlagen mit einerGesamtfläche von 2.750 m². Sie sparen zusammen rund 150 Tonnen CO2pro Jahr ein. Lichtenberg soll nur der Anfang sein. Gespräche mit anderen Bezirken finden bereits statt.

Von eins auf 25

Potenzial steckt aber nicht nur in beziehungsweise auf Immobilien der öffentlichen Hand. Dächer und Fassaden von Wohngebäuden bieten jede Menge Platz für Solaranlagen. „Kaum ein Prozent des Strombedarfs wird heute auf den Berliner Dächern gewonnen, bis 25 Prozent sind laut Studien in den nächsten Jahren möglich“, verweisen die Berliner Stadtwerke auf ihrer Website auf die MöglichkeitenZahlreiche Private wie professionelle Investoren und Gebäudeeigentümer stellen immer häufiger ihre Dach- und Fassadenflächen für Photovoltaik- sowie Solarthermie-Anlagen zu Verfügung. Besonders Mieterstromprojekte erobern den Markt: Im Pankeviertel versorgen bereits 24 Einzelanlagen auf 14 Dächern über 1.100 Haushalte mit Sonnenenergie; in der Mollgenossenschaft kommt der Solarstrom gar von einem denkmalgeschützten Dach direkt in die Steckdose, und „NATURSTROM“ beliefert die Bewohner des „Möckernkiezes“ im Gleisdreieck mit der sauberen Alternative. DasPrinzip von Mieterstrom ist überall gleich: Die Energiedienstleister pachten die Dachflächen von Gebäuden, stellen auf eigene Kosten eine Photovoltaik-Anlage auf und liefern den sauberen Strom direkt vom Dach an die Verbraucher. Wenn die Sonne einmal nicht scheint, wird die Lücke vorsorglich durch Ökostrom aus dem Stromnetz geschlossen. Das System ist nicht nur für die Umwelt nachhaltig, sondern bringt auch für die Bewohner eine Kostenersparnis. In der „Mieterstadt“ Berlin mit einem Anteil von rund 85 Prozent von Mietverhältnissen am genutzten Wohnraum kann das Modell entscheidend zur Energiewende beitragen.

Masterplan Solarcity

Damit sind Berlins Ziele in Sachen Solarstrom längst nicht erreicht. Im November 2018 wurde die Arbeit am „Masterplan Solarcity“ eingeläutet, Teil des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms (BEK) 2030. Bis Juli 2019 möchte die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz nicht nur die kurz-, mittel- und langfristigen Ziele zum Ausbau der solaren Energieversorgung Berlins konkretisiert haben. Auch ein beschlussfähiger Maßnahmen-Plan soll bis zum Sommer vorliegen.. Unter fachlicher Begleitung des Fraunhofer-Institutes für Solare Energiesysteme ISE und koordiniert sowie moderiert durch die Agentur Zebralog GmbH findet ein umfassender Beteiligungsprozess statt. 30 Schlüsselakteure aus Energie-, Solar- und Wohnungswirtschaft, aus Verbänden oder vom Verbraucherschutz sind eingeladen, die Senatsverwaltung mit ihrem Fachwissen zu unterstützen. Schließlich können so wichtige Vorhaben wie eine Energiewende nur dann gelingen, wenn sämtliche Akteure an einem Strang ziehen. Die Berliner Feuerwehr kann das aus ihrer täglichen Arbeit bestätigen...

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