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Berlin ist Vorreiter für Künstliche Intelligenz in Deutschland

Berlin ist in den letzten Jahren zum Schmelztiegel Künstlicher Intelligenz (KI) geworden. Fast 50 Prozent aller deutschen KI-Startups siedeln sich in der Hauptstadt an.

Schon längst ist KI keine Science-Fiction mehr, sondern findet Anwendung im Hier und Jetzt. Ob aus Hirndaten Rückschlüsse über Gedanken gezogen werden, Autos selbständig fahren oder immense Datenmengen zur Erdbeobachtung und Untersuchung des Klimawandels analysiert werden – was in manchen Ohren noch utopisch klingt, ist an sich nur das Erwachsenwerden des Computers, der nun auch lernt selbst Entscheidungen zu treffen.

KI findet an Universitäten und Kompetenzzentren, in Arbeitsgruppen und eben jüngst auch in vielen Startups statt. In Berlin siedeln sich seit Mitte der 2000er nationale und internationale Unternehmen im Bereich der Künstlichen Intelligenz an. Von knapp 480 KI-Unternehmen in Deutschland sitzen knapp 28 Prozent in Berlin-Brandenburg; unter den Startups ist es sogar fast jedes zweite. Und was bewirkt KI? Z. B. Kundenservice ohne Mitarbeiter, Frühwarnsysteme für Herzerkrankungen oder bessere Straßen. Das alles bringt neben wissenschaftlichen Erkenntnissen auch einen wirtschaftlichen Umsatz von 0,5 Mrd. Euro. Bis 2025 soll der Umsatz der KI-Unternehmen sogar um das Vierfache steigen.

Berliner KI-Startup bekommt Förderung in Millionenhöhe

Dass die Ära von Big Data und KI Milliarden einbringen wird, wissen die meisten Investoren und unterstützen die jungen Unternehmen mit entsprechenden Finanzen. Das Berliner Startup Rasa durfte sich kürzlich über ein Seedfunding in Millionenhöhe freuen. Das Geld kam zum größten Teil von der US-Westküste von Basic Set Ventures, ein auf KI fokussierter Fond, und einigen Business Angels.

Rasa stellt Software her, um Chatbots noch intelligenter zu machen. Genauer: Rasa analysiert die Sprache seiner Chatbot-Nutzer, um dadurch mehr zu bieten als nur Schlüsselwortanalyse.

Dass solche Förderungen künftig immer häufiger stattfinden werden, lässt sich anhand von Studien, wie der von PwC oder der von der Boston Consulting Group  in Zusammenarbeit mit ASGARD CAPITAL VERWALTUNG GMBH ableiten. Demnach planen neun von zehn Führungskräften KI in ihrer Produktion einzusetzen, da sie der Wertschöpfung einen immensen Anstieg verspricht. Durch KI dürfte die deutsche Wirtschaft bis 2030 um mehr als elf Prozent wachsen.

80 Prozent ist Business-to-Business

Chatbots und Sprachassistenzen automatisieren Arbeitsabläufe und machen Unternehmen effizienter sowie transparenter. 80 Prozent der KI Unternehmen agieren im Business-to-Business-Bereich. KI-Systeme optimieren innerbetriebliche Prozesse in Krankenhäusern und im(Luft)verkehr oder nutzen bei der Personalbeschaffung. Doch auch in Apps für den Handel oder der Entertainmentbranche sind die intelligenten Systeme nicht mehr wegzudenken. Um den Fortschritt noch weiter voranzutreiben hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie drei Milliarden Euro zugesichert.

Großunternehmen setzen auf Innovation Hubs in der Hauptstadt

Große und kleine Firmen arbeiten bei der Entwicklung der Schlüsseltechnologie KI eng zusammen. Mit sogenannten Innovation Laboratories, Startup-Programmen oder Innovationspreisen holen sie sich Inspiration von außen und bringen gemeinsame Ideen auf den Weg. Wie zum Beispiel die Telekom AG mit ihrem Format „Digital Wanderlust“ in Sachen KI auf dem neuesten Stand bleiben möchte.

„Hier in Berlin gibt es eine lebhafte Startup Szene sowie viele Möglichkeiten zur Verknüpfung von Forschung und Praxis“, berichtet Susanne Wegner von der Deutschen Telekom AG.

Auch die EnBW Energie Baden-Württemberg AG kooperiert durch ihr Programm „Activatr“ mit Jungunternehmen. Zum Beispiel hat sie das Startup vialytics, bei seiner Entstehung 2016 begleitet. Innerhalb des EnBW-Programms arbeiten Konzernmitarbeiter gemeinsam mit Jungunternehmern an ihren Ideen für innovative Geschäftsmodelle und helfen ihnen bis zur Marktreife. Die Grundidee von vialytics ist, Kommunen dabei zu helfen, ihre Straßen besser instand zu halten. Städtische Fahrzeuge wie zum Beispiel Müllfahrzeuge zeichnen mittels des Bewegungssensors eines Smartphones Erschütterungen auf. Angereichert durch GPS-basierte Ortsinformationen werden diese Daten an vialytics gesendet. Die Firma wertet diese Daten mit Hilfe von KI aus, um sie dann der Kommune zur Verbesserung der Infrastruktur zur Verfügung zu stellen.

Dies hat auch in Berlin für Aufhorchen gesorgt. Das Accelerator- und Innovations-Programm NUMA ist auf vialytics aufmerksam geworden und hat die jungen Innovativen mit dem etablierten Berliner Unternehmen ALBA zusammengebracht. Das Ergebnis: Eine enge und fruchtbare Kooperation.

„Die Zusammenarbeit mit Alba war insgesamt sehr spannend und facettenreich. Zum einen gibt es Momente, in denen man eine absolute Macher-Mentalität miterlebt und sehr schnelle Ergebnisse hat. Zum anderen gibt es aber auch Prozesse, wo man mehr Geduld aufbringen muss – durch Betriebsräte zum Beispiel. Toll waren die Einblicke in die vielen verschiedenen Bereiche von Alba“, erzählt vialytics-Gründer Danilo Jovovic im Interview mit Smart City Berlin.

Gesünder mit KI

Ebenso smart sind die aufstrebenden Berliner Startups Ada Health und Audatic, diezeigen, dass KI auch in Sachen Gesundheit viele Vorteile mit sich bringt. Anhand eingegebener Daten erstellt die App von Ada Health eine erste Diagnose, die Krankheiten bereits in ihren Anfangsstadien besser erkennt und die Behandlungen verbessert. Nach einer langen Entwicklungsphase der App, schoss Ada Health 2016 dann auch gleich auf Platz Eins der Gesundheits-Apps.

Mit dem KI-System Audatic sollen für Schwerhörige beziehungsweise Gehörlose lästige Hintergrundgeräusche erkannt und für das Hörgerät herausgefiltert werden und somit die Lebensqualität verbessert. Diese Anwendung, die die Lebensqualität der Betroffenen enorm verbessert, wurde 2018 mit dem Digital Health Award der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe/Projekt Zukunft ausgezeichnet. Ob Audatic oder Ada Health – beide beweisen, wie Mensch und Maschine eine innige Beziehung eingehen können.

#ki berlin verbindet!

Durch das große Entwicklungspotenzial für KI-Unternehmen in Berlin ist es für junge Unternehmen besonders attraktiv in die Stadt zu ziehen. Um die Nähe und den Austausch untereinander aber auch die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die Sichtbarkeit der Berliner KI-Szene zu erhöhen, wurde die Plattform KI in Berlin von Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH und weiteren Partnern ins Leben gerufen. So kann die nationale und internationale KI-Community neueste Entwicklungen, spannende Gespräche oder Leuchttürme aufzeigen sowie nach KI-Events und in Kontakt treten.

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