©Stromnetz Berlin GmbH

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Claudia Rathfux von Stromnetz Berlin

Die digitale Energiewende ist in vollem Gange – mit zukunftsweisenden Techniken verwandelt sich das Berliner Stromnetz in ein intelligentes Stromnetz, das Smart Grid. Dezentrale und erneuerbare Stromerzeugungsanlagen, wie Photovoltaikanlagen, Windräder, Blockheizkraftwerke in unterschiedlichster Größe und Bioenergie-Anlagen, sind längst an das Verteilernetz angeschlossen. Anvisiertes Ziel: Berlin soll bis 2050 klimaneutral werden. Zur Energiewende zählt allerdings nicht nur die Steigerung des Anteils erneuerbar erzeugten Stroms am Gesamtverbrauch, auch die Steigerung der Energieeffizienz steht zunehmend im Fokus, betont Claudia Rathfux von Stromnetz Berlin GmbH.  

Die großen Kraftwerke haben ausgedient – die Stadt setzt auf Photovoltaikanlagen, Windräder und Bioenergie-Anlagen. Wo liegen die Herausforderungen? Die kleineren dezentralen Erneuerbaren-Energien-Anlagen speisen im Gegensatz zu den großen Kraftwerken, die am Übertragungsnetz angeschlossen sind, in das Verteilungsnetz ein. In Berlin erzeugen derzeit bereits rund 7.000 solcher Anlagen und über 1.000 hocheffiziente KWK-Anlagen mit steigender Tendenz Strom für die Stadt. Insgesamt verändern sich dadurch die Strom- und Lastflüsse, was wiederum Auswirkungen auf den Betrieb und die Weiterentwicklung der Netzinfrastruktur hat. Zudem sind diese Erzeugungsanlagen oft auch Bestandteil neuer Geschäftsmodelle – beispielsweise bei der Umsetzung von Mieter- bzw. Quartiersstromkonzepten.

Die Herausforderung für uns als Betreiber des Verteilungsnetzes ist es dabei, die Integration der dezentralen Erzeugungsanlagen und das Zusammenspiel der Akteure des Energiesystems in Berlin zu ermöglichen, ohne dass dadurch die hohe Versorgungssicherheit und -qualität in der Stadt gefährdet wird.

Die digitale Energiewende ist eingeleitet – was bedeutet dies für das zukünftige Energiesystem in Berlin? Nach der ersten Phase der Energiewende, deren Fokus auf dem Zubau von erneuerbaren Energien lag, beginnt jetzt die zweite Phase, in der es gilt, die dezentrale Erzeugung und neue Lasten wie Elektromobilität, Wärmepumpen oder Stromdirektheizungen erfolgreich in das Energiesystem zu integrieren. Besonders in Großstädten wie Berlin, wo sich diese Entwicklungen konzentrieren und die Stadt zudem von einem Überangebot an erneuerbaren Energien des Umlandes profitiert, ist die Digitalisierung maßgeblich ausschlaggebend für eine erfolgreiche Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Mobilität.

Erfahrbar ist dies heute bereits auf dem EUREF-Campus, wo Partner des Projekts WindNODE – darunter auch wir – eine Power-to-Heat-Anlage ins Netz integriert haben. Die Anlage nutzt gezielt überschüssigen Strom aus erneuerbaren Quellen, um über einen Elektroheizer große Mengen Wasser zu erwärmen, die dann bei Bedarf in das Wärmenetz des EUREF-Campus eingespeist werden können.

Das intelligente Stromnetz, das Smart Grid, wird immer wichtiger – was steckt dahinter? Während der Begriff Smart Grid recht neu ist, ist die Digitalisierung des Stromnetzes in Berlin schon seit Jahren in der Umsetzung. Ziel ist es, durch den zunehmenden Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie Echtzeit-Informationen zum Zustand und zur Auslastung des Netzes zu erhalten. Während die automatisierte Steuerung in den höheren Spannungsebenen bereits erreicht ist, weiten wir die Verwendung von Sensorik und Automatisierungstechnik immer mehr auf die durch die urbane Energiewende besonders betroffene Nieder- und Mittelspannungsebene aus. So werden die Strom- und Lastflüsse durch dezentrale Einspeiser oder Elektromobilität transparent und wir können agil auf die Herausforderungen der urbanen Energiewende reagieren.  

Was bedeutet die Verknüpfung von Strom- und Datennetz für die Berlinerinnen und Berlinern? Wird die Energieversorgung – gerade durch den Rollout der digitalen Stromzähler – nun transparenter? Wir fühlen uns den Berlinerinnen und Berlinern von jeher zu Transparenz über die Stromversorgung verpflichtet. So haben wir nicht nur einen Kundenbeirat aus 22 Bürgerinnen und Bürger fest in unsere Strukturen integriert, sondern stellen auch als erster deutscher Stromnetzbetreiber einen Zugang zu unseren Netzdaten über die Open-Data-Plattform "Netzdaten Berlin" zur Verfügung.

Mit dem Ausrollen der digitalen Stromzähler – der sogenannten intelligenten Messsysteme – wird der Verbrauch für den Endkunden wesentlich transparenter. Besonders die Betreiber von Mieterstromprojekten können vom Einsatz der neuen Messtechnik profitieren, da sie den effizienten Betrieb dieser mittlerweile rund 280 Micro Grids in Berlin erleichtern kann. Weiterhin lässt sich die digitale Messtechnik auch auf andere Verbrauchssparten ausweiten, um die Transparenz über den generellen Verbrauch in einer Wohnung oder einem Haus zu erhöhen. Deshalb sind wir auch in sogenannten Multi-Metering-Projekten aktiv.   

Zu guter Letzt: Könnten Sie bitte folgenden Satz beenden: „Berlin ist smart, weil… smart nachhaltig ist. Auf dem Weg zu einer klimaneutralen Stadt kann Berlin schon heute Lösungen für die unterschiedlichen Herausforderungen der Energiewende – von der Integration regenerativer Energien aus dem Umland über Elektromobilität bis hin zu Mieterstrom – für Metropolen in ganz Deutschland und weltweit aufzeigen.